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Selbstwert, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen: Was ist der Unterschied?

Selbstbewusstsein, Selbstwert und Selbstvertrauen sind drei Begriffe, die fast alle kennen und viele verwechseln. Der Unterschied ist nicht ohne: Wer nicht erkennt, woran es wirklich liegt, sucht leicht an der falschen Stelle nach einer Lösung und wundert sich, warum sich nichts bessert.

Viele Frauen, die zu mir kommen, haben jahrelang alles für andere gegeben und sich selbst dabei verloren. Oft ist ihr Selbstbewusstsein so gering, dass sie nicht mehr wissen, was sie wollen. Ihr Selbstwert hängt von der Meinung anderer ab. Oder ihr Selbstvertrauen ist so erschüttert, dass sie sich kaum noch etwas zutrauen.

Dieser Artikel erklärt die drei Begriffe, zeigt Dir den Unterschied und hilft Dir, den richtigen Hebel zu finden.

Das Wichtigste zum Unterschied zwischen Selbstwert, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen auf einen Blick

  • Selbstbewusstsein bedeutet: Du weißt, wer Du bist und kennst Deine Bedürfnisse, Grenzen und Muster.
  • Selbstwert bedeutet: Du bist genug, unabhängig von Deiner Leistung oder von der Meinung anderer.
  • Selbstvertrauen bedeutet: Du traust Dich zu handeln und glaubst daran, etwas erreichen zu können.
  • Alle drei hängen zusammen, aber keines ersetzt das andere.
  • Je nachdem, was bei Dir fehlt, hilft Dir eine andere Strategie weiter.

Selbstbewusstsein: Du weißt, wer Du bist

Selbstbewusstsein bedeutet: Du kennst Dich gut. Wenn Du weißt, welche Bedürfnisse und Wünsche Du hast, wo Deine Grenzen liegen und wie Du dafür sorgst, dass sie nicht übergangen werden, bist Du Dir Deiner Selbst bewusst. Dazu gehört auch, Deine Gefühle wahrzunehmen und zuzulassen, auch die unbequemen. Außerdem erkennst Du, wann eine Entscheidung wirklich für Dich gut ist und wann Du sie triffst, weil Du es anderen recht machen willst.

Selbstbewusstsein ist eine innere Erkenntnis und Ausrichtung.

Übung um das Selbstbewusstsein zu stärken: Die Ja/Nein-Pause


Bevor Du das nächste Mal Ja sagst, frag Dich: Will ich das wirklich, oder sage ich Ja, weil es erwartet wird? Wie Du Dein echtes Ja erkennst, zeigt Dir diese kurze Übung: Warum habe ich schon wieder Ja gesagt?

Selbstwertgefühl stärken: Du bist genug Punkt

Das Selbstwertgefühl hat nichts mit Leistung zu tun oder damit, was Du heute geschafft hast oder nicht. Auch nicht damit, was andere denken. Trotzdem machen viele es davon abhängig. Wenn es an eine Bedingung gekoppelt ist, ist es kein echtes Selbstwertgefühl und das ist der Grund, warum es oft so gering ist.

Hörst Du Dich manchmal sagen: „Bin ich blöd“ oder „War ja klar, dass mir das passiert“?
So hältst Du Dich selbst klein und Dein Selbstwertgefühl schrumpft immer mehr.

Ein gesundes Selbstwertgefühl wurzelt in der Überzeugung: Ich bin richtig, wie ich bin.

Wenn Du ein stabiles Selbstwertgefühl hast, gestehst Du Dir zu, Fehler zu machen und verurteilst Dich nicht dafür. Die innere Gewissheit lautet: Ich bin immer in Ordnung – schon jetzt und nicht erst, wenn der Haushalt gemacht ist.

Das ist der wundeste Punkt bei vielen Frauen, die zu mir kommen. Sie haben jahrzehntelang ihren Wert daran gemessen, was sie geben und leisten. Irgendwann ist der Tank leer und mit ihm das Gefühl, überhaupt noch jemand zu sein.

Bei meinen Kundinnen zeigt sich immer wieder: Theoretisch haben sie verstanden, dass sie genug sind, so wie sie sind, aber in ihrem Körper ist das noch nicht angekommen.

Das ist ein weiterer wichtiger Teil meiner Arbeit: dieses Wissen auch dort zu verankern.

Übung um das Selbstwertgefühl zu stärken: Die Bestandsaufnahme


Schreib zehn Eigenschaften auf, die Du bist, nicht was Du tust oder leistest. Nicht „gute Mutter“ oder „zuverlässig bei der Arbeit“. Schreib, was Du als Mensch bist, zum Beispiel neugierig, ehrlich, warmherzig, humorvoll… Du kannst auch Dir nahe stehende Personen fragen, welche positiven Eigenschaften sie an Dir schätzen. Dein Wert steckt nicht in der erledigten To-do-Liste.

Geringes Selbstwertgefühl und Selbstzweifel hängen eng zusammen. Mehr dazu in meinem Blogartikel: Selbstzweifel überwinden: Warum sie bei Frauen ab 45 tiefer sitzen — und was wirklich hilft.

Selbstvertrauen: Du traust Dich, zu handeln

Selbstvertrauen ist der dritte Bereich, um den es hier geht. Es ist das einzige, das sich direkt nach außen zeigt. Du traust Dir zu, Entscheidungen zu treffen, und glaubst, dass das, was Du tust, Wirkung hat.

Der Psychologe Albert Bandura nennt das Selbstwirksamkeit: die Überzeugung, dass Dein Handeln etwas bewirkt und dass das Ergebnis nicht durch Glück oder Zufall zustande gekommen ist.

Selbstvertrauen stärkst Du durch Erfahrung. Es wächst, indem Du handelst und weitergehst, egal ob es gut lief oder nicht.

Übung um das Selbstvertrauen zu stärken: Die Beweisliste

Schreib zehn Situationen auf, in denen Du etwas gewagt hast. Dabei spielt es keine Rolle, wie gering Dir etwas erscheint. Es kann sein, dass Du ein Telefonat geführt hast, das Dir unangenehm war, oder Du hast mal Nein gesagt, obwohl es Dir schwer fiel. Dein Nervensystem braucht Beweise, Motivationssprüche helfen ihm nicht. Mit jeder notierten Situation erinnerst Du Dich daran: Ich habe schon gehandelt. Ich habe schon etwas bewirkt.

Wenn Du alleine nicht weiter kommst: Hol Dir Unterstützung. Wenn die Muster sich über lange Zeit eingegraben haben, ist es schwer, sie alleine aufzulösen.

Magst Du öfter von mir hören? In meinem Newsletter schreibe ich regelmäßig rund um das Thema: „Persönlichkeitsentwicklung“.

Wurzel, Stamm, Äste alles wächst gleichzeitig



Baum-Grafik: Selbstbewusstsein als Wurzel, Selbstwertgefühl als Stamm, Selbstvertrauen als Äste.

Ein Baum wächst nicht erst komplett in die Tiefe, bevor er sich nach oben streckt. Wurzel, Stamm und Äste wachsen gleichzeitig und stabilisieren einander gegenseitig.

Sichtbares Selbstvertrauen sagt deshalb wenig darüber aus, wie stabil Selbstbewusstsein und Selbstwert tatsächlich sind. Die Äste können in die Welt wachsen, während Wurzel und Stamm noch wenig Halt haben.

Selbstbewusstsein, Selbstwert und Selbstvertrauen: Alle drei lassen sich stärken, und – wie beim Baum – auch gleichzeitig.

3-Sekunden-Diagnose: Wo brauchst Du Stärkung?

Beantworte spontan die untenstehenden Fragen – nicht nachdenken, sondern einfach das sagen, was als erstes kommt:

  • Weiß ich, was ich will und was nicht? (Selbstbewusstsein)
  • Fühle ich mich richtig, auch wenn jemand mit mir unzufrieden ist? (Selbstwert)
  • Traue ich mich, etwas Neues anzugehen? (Selbstvertrauen)

Die Frage, die Du mit „Nein“ beantwortest, ist der Bereich, in dem Du etwas für Dich tun kannst.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen?

Selbstbewusstsein ist nach innen gerichtet: Du weißt, wer Du bist, was Du brauchst und wo Deine Grenzen liegen. Selbstvertrauen zeigt sich nach außen: Du traust Dich zu handeln und glaubst, dass Du etwas bewirken kannst. Beides hängt zusammen, aber eine Frau kann selbstsicher auftreten und trotzdem nicht wissen, wer sie wirklich ist.

Was ist der Unterschied zwischen Selbstwert und Selbstbewusstsein?

Selbstbewusstsein bedeutet: Du kennst Dich. Du weißt, was Du willst, was Dir wichtig ist und wie Du tickst. Selbstwert ist die Überzeugung: Du bist richtig, unabhängig davon, was Du leistest oder was andere denken. Viele Frauen wissen, was sie brauchen, zweifeln aber trotzdem daran, ob sie genug sind. Das ist der Unterschied.


Wie stärke ich mein Selbstwertgefühl?

Selbstwertgefühl stärken beginnt damit, deinen Wert von Leistung und fremder Meinung zu lösen. Ein guter Einstieg ist die Bestandsaufnahme weiter oben im Artikel: Schreib zehn Eigenschaften auf, die Dich als Mensch ausmachen – nicht, was Du leistest. So verschiebt sich Dein Blick von dem, was Du tust, zu dem, wer Du bist. Je öfter du dir diese Eigenschaften bewusst machst, desto mehr setzt sich die neue Überzeugung durch.

Kann man Selbstvertrauen haben, ohne ein gutes Selbstwertgefühl?

Ja, und das ist häufiger als man denkt. Manche Frauen treten nach außen sicher auf, treffen Entscheidungen und wirken souverän. Innerlich halten sie sich trotzdem nicht für genug. Im Handeln suchen sie oft unbewusst die Bestätigung für den eigenen Wert. Das steigert das Selbstwertgefühl allerdings nicht.

Warum hilft es nicht, sich einfach mehr zuzutrauen?

Weil Selbstvertrauen allein kein Fundament ist. Es wächst zwar durch Erfahrung und Erfolge, aber wenn Selbstbewusstsein und Selbstwert fehlen, läuft es in die falsche Richtung. Wenn man nicht weiß, was man selbst möchte, handelt man oft nach dem, was andere erwarten. Die Anerkennung dafür fühlt sich gut an und macht das Selbstwertgefühl abhängig von fremdem Urteil. Das ist die Falle. Wer das durchbrechen will, muss bei Selbstbewusstsein und Selbstwert anfangen.

Wo fange ich an, wenn ich nicht weiß, was mir fehlt?

Bei der Diagnose. Die drei Fragen am Ende dieses Artikels zeigen Dir, wo bei Dir der wunde Punkt liegt. Von dort aus wird klarer, was Du als Nächstes brauchst.

Weiterführendes

Selbstwirksamkeit nach Albert Bandura: Verständliche Einführung in die Frage, warum Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten vor allem durch Erfahrungen entsteht.

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